Entwicklung der Masern-Todesfälle

Das Diagramm zeigt die in Deutschland gemeldeten Todesfälle zwischen 1900 und 1980. Für den Zeitraum zwischen 1903 und 1924 sind keine Daten auffindbar. Auch für die Kriegs- und unmittelbare Nachkriegszeit von 1939 bis 1949 liegen leider keine Daten vor.

Um 1900 waren die Masern tatsächlich eine gefährliche Krankheit. Da sowohl um 1900 als auch dann in der BRD um 1962 die Bevölkerungszahl bei etwa 56 Millionen lag, lassen sich diese Zeitpunkte optimal vergleichen. 1902 starben ca. 17.360 Menschen an Masern, 1962 (also noch vor der ersten Impfung) waren es nur noch 140 Menschen.
Auffällig ist also, dass die Zahl der Masern-Todesfälle bereits vor Einführung der Masernimpfung im Jahr 1963 fast auf null zurückgegangen war. Als mögliche Gründe für diesen Rückgang gelten:

  • bessere Ernährung
  • Rückgang extremer Kinderarmut
  • verbesserte medizinische Versorgung
  • Einsatz von Antibiotika gegen bakterielle Sekundärinfektionen

Betrachtet man die Masern-Todesfälle von 1950 bis 1980 mit einer vergrößerten Y-Achse, um einen möglichen positiven Effekt der Impfung zu erkennen, zeigt sich ab 1963 kein Rückgang, der nicht auch ohne Impfung zu erwarten gewesen wäre. Von Impfstoffherstellern wird häufig argumentiert, der inaktivierte Impfstoff der frühen 1960er sei wenig wirksam gewesen. Doch selbst ab 1973, mit der Einführung von Lebendimpfstoffen, ist kein klarer positiver Einfluss im Diagramm erkennbar.

1. Quelle für die Daten von 1900 bis 1902

https://www.cdc.gov/nchs/data/vsushistorical/mortstatsh_1900-1904.pdf
In diesem historischen Dokument wurde auf Seite XXVI die Sterblichkeitsrate pro 100.000 Einwohner für die Jahre 1900 bis 1920 erfasst. Daraus wurden für die Grafik die absoluten Maserntoten für die damalige Bevölkerung von ca. 56 Millionen errechnet.

1. Hauptquelle für historische Daten (Reich, BRD, DDR bis 1989)

Pöhn, H.-P.; Rasch, G. (1994): Statistik meldepflichtiger übertragbarer Krankheiten. Vom Beginn der Aufzeichnungen bis heute (Stand 31.12.1989).
Bundesgesundheitsamt, MMV Medizin Verlag München
https://edoc.rki.de/handle/176904/161
https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/161/220lwYF098W2I.pdf

Verwendete Tabellen:

  • Tab. 4.5.1 – Masern-Todesfälle 1924–1938 (Reich)
  • Tab. 4.5.2 – Masern-Todesfälle 1950–1989 (BRD)
  • Tab. 4.5.3 – Masern-Fälle & Todesfälle 1962–1989 (DDR)

Dies ist die maßgebliche, wissenschaftlich aufgearbeitete historische Quelle für Meldepflicht-Krankheiten in Deutschland.

2. Statistisches Bundesamt – Gesundheitsstatistiken der BRD (Ergänzende Primärquelle)

Für BRD-Daten (v. a. als Ursprung der Pöhn/Rasch-Zusammenstellungen):

  • Statistisches Bundesamt (Destatis)
  • Fachserie „Bevölkerung und Kultur“ – Gesundheitswesen,
  • Reihe „Meldepflichtige Krankheiten“ (verschiedene Jahrgänge 1950–1980).

Diese Reihen enthalten die Originalmeldungen der Bundesrepublik und bilden die Datengrundlage für Tab. 4.5.2 in Pöhn & Rasch.

3. RKI – SurvStat / Infektionsepidemiologische Jahrbücher (für Kontext ab 2001)

Für moderne Fallzahlen ab 2001 – nicht im Diagramm verwendet, aber zur Ergänzung unserer Recherche:

  • Robert Koch-Institut – SurvStat@RKI 2.0
    https://survstat.rki.de
  • Infektionsepidemiologisches Jahrbuch (jährlich)

4. Hintergrundliteratur zur historischen Meldepflicht (Sekundärquelle)

Zur Erklärung, warum Daten vor 1924 lückenhaft sind:

  • Robert Koch-Institut: Geschichte der Infektionsschutzgesetzgebung in Deutschland
  • Diverse Statistische Jahrbücher des Deutschen Reichs (vor 1940, oft nur Sterbefälle nach ICD-Kategorien)

Kurzfassung: Welche Quelle zu welchen Daten?

Zeitraum Gebiet Art der Daten Hauptquelle
1924–1938 Deutsches Reich Todesfälle Pöhn & Rasch, Tab. 4.5.1
1950–1980 BRD Todesfälle Pöhn & Rasch, Tab. 4.5.2 (basierend auf Destatis)
1962–1970 DDR Fälle + Todesfälle Pöhn & Rasch, Tab. 4.5.3
ab 2001 Deutschland gesamt Fälle RKI SurvStat

Hinweis zu historischen Lücken:
Die Lücke 1939–1949 beruht nicht auf Datenmangel unsererseits, sondern ist historisch real:
Es gibt aus der Kriegs- und unmittelbaren Nachkriegszeit keine fortlaufenden, reichsweit zuverlässigen Masern-Todesfallstatistiken, und Pöhn & Rasch bestätigen diese Lücke ausdrücklich.